Informationskompetenz und Teaching Library

Posted by jmiba on November 21, 2011 in Servicekonzepte |

Auf die­sen Selbst­test Recherch-o-Mat in Sachen Infor­ma­ti­ons­kom­pe­tenz vom “Zen­trum für Infor­ma­ti­ons­ma­nage­ment und vir­tu­elle Lehre (vir­tUOS)” der Uni­ver­si­tät Osna­brück bin ich gesto­ßen und habe ihn gleich mal aus­pro­biert. Ich bin — kaum erstaun­lich — ein „Recherche-Fuchs“ mit 46 von 48 mög­li­chen Punk­ten. Gepatzt habe ich bei der Frage, wel­che Quel­len ich bei der Suche nach aktu­ells­ten Infor­ma­tio­nen kon­sul­tiere: Da war ich doch glatt auf dem Holz­weg mit mei­ner Vor­stel­lung, man nutze ver­nünf­ti­ger­weise alle ver­füg­ba­ren Mög­lich­kei­ten, also zum Bei­spiel auch Wiki­pe­dia und Twit­ter. Ich wurde in der Aus­wer­tung des Tests belehrt, lie­ber „(Fach-)Zeitschriftenartikel in gedruck­ter Form oder im Inter­net“ für diese Auf­gabe zu Rate zu zie­hen. Hier muss ich jedoch Ein­spruch erhe­ben. Tat­säch­lich erfahre ich über neu­este Ansätze und Strö­mun­gen in mei­nem Fach über soziale Netz­werke unglaub­lich viel, und oft auch viel frü­her als über die her­kömm­li­chen Dis­se­mi­na­ti­ons­wege wie sie z.B. der gedruckte (!) Fach­auf­satz oder auch die ja doch viel schnel­lere Open-Access-Publikation neh­men. For­men wie Blogs oder Aler­ting Ser­vices wer­den übri­gens im Test gar nicht genannt. Frage ich mich: Hin­ken wir da ein wenig hin­ter der Ent­wick­lung her? Ver­sagt habe ich auch bei der Frage, an wen ich mich wende, wenn ich mit einer Recher­che nicht wei­ter­komme. Meine Vor­stel­lung, in die­sem Fall einen Biblio­the­kar zu kon­sul­tie­ren, ist nur zweit­gut, bes­ser wäre es nach Ansicht der Kol­le­gen in Osna­brück, in der Biblio­thek einen Kurs zu bele­gen. Aller­dings: Wie lebens­fern ist das denn? Ich gelange bei einer kon­kre­ten Fra­ge­stel­lung im Rah­men einer (sicher unter Zeit­druck ent­ste­hen­den Semi­nar­ar­beit oder Publi­ka­tion) in eine Recherche-Sackgasse und belege erst mal einen Grund­kurs in Info­kom­pe­tenz? Alles in allem atmet mir der Recherch-o-Mat zu wahr­nehm­bar den Geist der tra­di­tio­nel­len Informationskompetenz-Lehre, nach der man, will man eine Biblio­thek erfolg­reich benut­zen, zunächst ein­mal durch eine hohe Schule gehen muss. Ich fürchte (mich nicht alleine), dass wir mit unse­rem mit biblio­the­ka­ri­scher Strenge erho­be­nen Zei­ge­fin­ger unsere Kun­den eher ver­scheu­chen als anlo­cken. Zumal man mit Fug und Recht behaup­ten kann, dass wir Biblio­the­kare mit unse­rer guten alten Teaching Library vor allem unsere eigene Unin­spi­riert­heit und Unfä­hig­keit hin­sicht­lich der Schaf­fung benutz­ba­rer Ser­vices über­tün­chen wol­len. Leo­nardo da Vinci, Albert Ein­stein und Steve Jobs ver­eint ein Gedanke, näm­lich dass Ein­fach­heit das Maß aller Dinge ist: „Sim­p­li­city is the utmost sophisti­ca­tion“. Warum wol­len wir nicht end­lich ein­fach sein und die Kom­ple­xi­tät des Infor­ma­ti­ons­uni­ver­sums in eine ein­fa­che Welt­for­mel zwin­gen? Weil das unmög­lich ist? Ist denn ein Apple-Computer ein­fa­cher auf­ge­baut als ein Rech­ner mit Win­dows XP? Wir wol­len einen ein­fa­chen Zugang zur Welt der Infor­ma­tion. Wir wol­len Con­ve­ni­ent Ser­vices, denn Wis­sen­schaft­ler wol­len for­schen und nicht ihre Zeit in das Stu­dium biblio­the­ka­ri­schen Geheim­wis­sens inves­tie­ren. Und wir wol­len, wenn wir ein­mal nicht wei­ter­kom­men, eine Biblio­the­ka­rin um Hilfe bit­ten kön­nen. Denn wir ver­ste­hen Bibli­to­he­ken als Dienst­leis­tungs­ein­rich­tun­gen, nicht als Schu­len, in denen man allen­falls Hilfe zur Selbst­hilfe bekommt. Aber bitte ver­ste­hen Sie mich nicht falsch: Eine Schu­lung zum Umgang mit bestimm­ten Recher­che­mit­teln, ein Kurs über den Gebrauch von Werk­zeu­gen der Digi­tal Scho­lar­ship, das kön­nen durch­aus Con­ve­ni­ent Ser­vices sein. Näm­lich dann, wenn sie als „Pro­dukt“ eta­blier­bar sind, wenn es bei unse­ren Kun­den Nach­frage nach sol­chen Pro­duk­ten gibt, wenn diese Pro­dukte gut sind, wenn sie sexy sind, wenn die Leute sie haben wollen.

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