Informationskompetenz und Teaching Library
Auf diesen Selbsttest Recherch-o-Mat in Sachen Informationskompetenz vom “Zentrum für Informationsmanagement und virtuelle Lehre (virtUOS)” der Universität Osnabrück bin ich gestoßen und habe ihn gleich mal ausprobiert. Ich bin — kaum erstaunlich — ein „Recherche-Fuchs“ mit 46 von 48 möglichen Punkten. Gepatzt habe ich bei der Frage, welche Quellen ich bei der Suche nach aktuellsten Informationen konsultiere: Da war ich doch glatt auf dem Holzweg mit meiner Vorstellung, man nutze vernünftigerweise alle verfügbaren Möglichkeiten, also zum Beispiel auch Wikipedia und Twitter. Ich wurde in der Auswertung des Tests belehrt, lieber „(Fach-)Zeitschriftenartikel in gedruckter Form oder im Internet“ für diese Aufgabe zu Rate zu ziehen. Hier muss ich jedoch Einspruch erheben. Tatsächlich erfahre ich über neueste Ansätze und Strömungen in meinem Fach über soziale Netzwerke unglaublich viel, und oft auch viel früher als über die herkömmlichen Disseminationswege wie sie z.B. der gedruckte (!) Fachaufsatz oder auch die ja doch viel schnellere Open-Access-Publikation nehmen. Formen wie Blogs oder Alerting Services werden übrigens im Test gar nicht genannt. Frage ich mich: Hinken wir da ein wenig hinter der Entwicklung her? Versagt habe ich auch bei der Frage, an wen ich mich wende, wenn ich mit einer Recherche nicht weiterkomme. Meine Vorstellung, in diesem Fall einen Bibliothekar zu konsultieren, ist nur zweitgut, besser wäre es nach Ansicht der Kollegen in Osnabrück, in der Bibliothek einen Kurs zu belegen. Allerdings: Wie lebensfern ist das denn? Ich gelange bei einer konkreten Fragestellung im Rahmen einer (sicher unter Zeitdruck entstehenden Seminararbeit oder Publikation) in eine Recherche-Sackgasse und belege erst mal einen Grundkurs in Infokompetenz? Alles in allem atmet mir der Recherch-o-Mat zu wahrnehmbar den Geist der traditionellen Informationskompetenz-Lehre, nach der man, will man eine Bibliothek erfolgreich benutzen, zunächst einmal durch eine hohe Schule gehen muss. Ich fürchte (mich nicht alleine), dass wir mit unserem mit bibliothekarischer Strenge erhobenen Zeigefinger unsere Kunden eher verscheuchen als anlocken. Zumal man mit Fug und Recht behaupten kann, dass wir Bibliothekare mit unserer guten alten Teaching Library vor allem unsere eigene Uninspiriertheit und Unfähigkeit hinsichtlich der Schaffung benutzbarer Services übertünchen wollen. Leonardo da Vinci, Albert Einstein und Steve Jobs vereint ein Gedanke, nämlich dass Einfachheit das Maß aller Dinge ist: „Simplicity is the utmost sophistication“. Warum wollen wir nicht endlich einfach sein und die Komplexität des Informationsuniversums in eine einfache Weltformel zwingen? Weil das unmöglich ist? Ist denn ein Apple-Computer einfacher aufgebaut als ein Rechner mit Windows XP? Wir wollen einen einfachen Zugang zur Welt der Information. Wir wollen Convenient Services, denn Wissenschaftler wollen forschen und nicht ihre Zeit in das Studium bibliothekarischen Geheimwissens investieren. Und wir wollen, wenn wir einmal nicht weiterkommen, eine Bibliothekarin um Hilfe bitten können. Denn wir verstehen Biblitoheken als Dienstleistungseinrichtungen, nicht als Schulen, in denen man allenfalls Hilfe zur Selbsthilfe bekommt. Aber bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Eine Schulung zum Umgang mit bestimmten Recherchemitteln, ein Kurs über den Gebrauch von Werkzeugen der Digital Scholarship, das können durchaus Convenient Services sein. Nämlich dann, wenn sie als „Produkt“ etablierbar sind, wenn es bei unseren Kunden Nachfrage nach solchen Produkten gibt, wenn diese Produkte gut sind, wenn sie sexy sind, wenn die Leute sie haben wollen.

[…] decken. Die Idee kam Lambert Heller als er die Meinung zum Recherch-o-Mat im Blog Minority Report sah, der wirklich lesenswert ist und zum Nachdenken anregt. Auch der Hapke-Weblog interessierte […]